20.06.2018

Die Pflanzung beginnt mit der Rodung

Wie ist das mit den Pilzen? Pilzbefall und Pilzübertragung...

Organisches Material wird überwiegend durch Pilze zersetzt. Schon seit Jahrzehnten ist bekannt, dass manche Pilze sowohl Totholz (als Saprophyten) als auch lebendes Holz (als Parasiten) besiedeln und abbauen können. Dies wird als Saproparasitismus bezeichnet. Hierzu zählen unter anderem die auch für unsere Stadtbäume gefährlichen Hallimasch-Arten, Brandkrustenpilz, Lackporling usw. Die Übertragung erfolgt in der Regel über Wurzelkontakte oder aber über die Bildung von Pilzmyzel. Dieses kann über mehr als 50 m hinweg im Boden zu noch nicht infizierten Bäumen und Gehölzen gelangen.


In der Regel sind dann nur geringe Verletzungen oder Trockenstress sowohl bei Jung- und Altbäumen ausreichend, um diese zu besiedeln. Dies bedeutet den Befall von sonst ganz gesunden Bäumen und Gehölzen!

Voraussetzung für die Übertragung durch Pilzmyzel ist, dass der Pilz genügend organische Substanz zum Abbau vorfindet. Daraus gewinnt der Pilz die notwendige Energie und Reserven für sein Myzelwachstum außerhalb des Substrates, also im Boden. Diese Bedingungen bzw. das notwendige Abbaupotenzial finden Pilze bevorzugt in alten Wurzelstöcken und groben Restwurzeln – als Folge von nicht durchgeführten Komplettrodungen.

Experten sind sich darüber einig, dass Klimaveränderungen wie extremer Starkregen und lange Trockenzeiten die Vitalität unserer Bäume folgenschwer beeinflussen. Diese Witterungsextreme mindern die Widerstandskraft der Bäume und machen sie somit anfälliger für z. B. Pilzbefall.

 

 

Die Neupflanzung

Müssen Stark- und Grobwurzeln aus einer Pflanzfläche entfernt werden? Ja!

Nach DIN 18915 Vegetationstechnik im Landschaftsbau, Bodenarbeiten Punkt 4.1.5, wird unter „organischer Substanz“ alle organischen Bestandteile wie auch Wurzeln und Pflanzenreste eines Bodens verstanden.

Weiter wird unter Punkt 7.2.4 (DIN 18915), Thema: Rodung, darauf hingewiesen, dass Wurzelstöcke vollständig zu entfernen sind. Hauptwurzeln sind insoweit zu entfernen oder zu zerkleinern, wie dies für die weitere Nutzung der Fläche zum Beispiel als Baumstandort oder Pflanzfläche usw. erforderlich ist.

Können konventionelle Rodungsverfahren dieser Pflicht nachkommen? Nein! Bei seitherigen Rodungstechniken, z. B. Ausfräsen oder Ausbohren, wurde nur der zentrale Stumpf eines Baumes entfernt. Beim Ausfräsen beispielsweise verbleibt das gesamte restliche Wurzelwerk im Boden – dies sind oft 70 % der gesamten Wurzelmasse.

Die für Pflanzungen geltende DIN 18916 (Vegetationstechnik im Landschaftsbau, Pflanzen und Pflanzarbeiten) und die FLL-Richtlinie (Empfehlung für das Pflanzen von Bäumen, Ausgabe 1999) weisen verbindlich darauf hin, dass organische Stoffe nicht zu tief in Pflanzgruben belassen oder eingebracht werden dürfen. Organisches Material darf in nicht mehr als 30 cm Tiefe vorhanden sein, da sonst mit der Bildung von wurzelschädigenden Faulgasen (z. B. Methan) zu rechnen ist (FLL-Richtlinie: Empfehlung für das Pflanzen von Bäumen, Ausgabe 1999, Punkt 6.1).

Durch fachgerechte Rodung Werte erhalten und Werte schaffen.

Zusammengefasst hat die Beseitigung von organischem Material wie alten Wurzelstöcken und Wurzeln, welche auch im großräumigen Pflanzbereich vorhanden sind, eine zentrale Bedeutung für eine positive Pflanzenentwicklung.

Bedenkt man die über Jahre und Jahrzehnte gehende Zersetzung der alten Wurzelmasse und die gleichzeitige Ausdehnung des Wurzelraumes eines Baumes durch sein Wachstum, betrifft dies nicht nur die unmittelbare Pflanzgrube, sondern den gesamten Baumstandort.

Bäume wollen Platz

Zur vitalen Entwicklung benötigen unsere Stadt- und Großbäume möglichst viel Wurzelraum. Das Gleiche gilt für Bäume im Siedlungsbereich bzw. in Privatgärten.

Bei Baumpflanzungen muss dabei nicht nur auf eine ausreichende Wasser- und Nährstoffversorgung geachtet werden, sondern auf deine ausreichende Verankerungsmöglichkeit. Diese ist im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht vor allem bei Altbäumen von zentraler Bedeutung. Untersuchungen weisen darauf hin, dass einem Baum für seine optimale Entwicklung je m² Kronenprojektionsfläche 0,5 m³ bis 0,75 m³ durchwurzelbarer Raum zur Verfügung stehen sollte. Als Mindestanforderung gelten für mittel- bis starkwachsende Baumarten 16 m² und für schwach-wachsende und kleinkronige Arten 12 m² Standfläche. Der Standort sollte mindestens 0,8 m, optimal jedoch 1,5 m tief durchwurzelbar sein.

Folgen bei zu geringem Entfaltungsfreiraum

Zu kleine, nur mit Substrat aufgefüllte Standorte führen zum „Blumentopfeffekt“ und oft schon nach wenigen Jahren zur frühen Vergreisung des Jungbaums.

Ursachen des „Blumentopfeffekts“

Dieser wird z. B. durch Verdichtungen oder auch nur durch oberflächliches „Verschmieren“ der Pflanzgrubenwände durch den Baggerlöffel, vorwiegend bei Lehmböden, verursacht. Der Luft- bzw. Sauerstoffaustausch wird schon durch eine dünne Schicht, in der die Grobporen im Boden verschlossen sind, verhindert – vergleichbar mit einer dünnen Folie, die luftundurchlässig ist! Findet die Wurzel einen Weg aus einer engen und verdichteten Pflanzgrube, bilden sich häufig Aufwerfungen und Schäden im umliegenden Belag oder Unterbau.

Ideale Voraussetzungen

Bei Pflanzungen ist zu beachten, dass keine organischen Materialien und Stoffe in den Unterboden (ab etwa 30 cm Tiefe) gelangen. Der bis 30 cm tiefe Oberboden und der Unterboden müssen getrennt gelagert und wieder entsprechend eingebaut werden. Wasser- und luftdurchlässige Schichten in der Sohle und den Wänden der Pflanzgrube müssen gelockert werden.

Hinweis:

Durch die Komplettrodung mit der Wurzelratte erreichen Sie zum einen die Beseitigung von organischem Material, z. B. Altwurzeln, und zum anderen eine tiefgründige Lockerung des Baumstandortes ohne relevante Vermischung von Ober- und Unterboden. Dies alles ohne Mehraufwand und demnach kostenneutral. Ohne nochmalige Anfahrt ist eine sofortige und fachlich optimale Nachpflanzung am alten Standort möglich. So können weitere Kosten reduziert werden.

Sie finden uns auf Facebook